„Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoch‘ …

… bleibt er vier Wochen noch in sei’m Loch.“

Kennt noch jemand diese Bauernregel? Ich kannte sie nicht und bin erst darüber gestolpert, als ich mich über den heutigen Tag des Murmeltiers (engl. Groundhog Day) schlau gemacht habe. Denn in Amerika ist die animalische Wettervorhersage zur Lichtmesswoch‘ noch  überaus lebendige Tradition. Herrn Kachelmann vertritt dort allerdings nicht der Dachs, sondern das Marmota monax – das Waldmurmeltier.

… 123-jährige Tradition

Was bei uns in Vergessenheit geraten ist, wird in Punxsutawney [sprich: Panxatoni] in Pennsylvania alljährlich mit großem Tamtam vom örtlichen Murmeltier Club zelebriert: die Wettervorhersage von „Punxsutawney Phil“, dem diensthabenden Murmeltier.

coll_groundhog

Foto: be|es|ha

Phil wird jedes Jahr am Lichtmesstag aus seinem Bau gelockt, um den Amerikanern vorherzusagen, ob sie den Winter noch weitere sechs Wochen ertragen müssen oder ob sie sich bereits auf den Frühling freuen können.

Wie das gehen soll? Ganz einfach: die Vorhersage wird durch seinen vorhandenen oder fehlenden Schatten bestimmt.

… weiter Mütze oder schon Kniestrümpfe?

„If Candlemas day be sunny and bright, winter again will show its might.“ (Wenn der Lichtmesstag sonnig und strahlend ist, wird der Winter nochmals seine Stärke zeigen.)

Wirft Phil beim Verlassen seiner Höhle an einem sonnigen 2. Februar einen Schatten, erschrickt er davor und schlüpft für weitere sechs Wochen in seinen Bau zurück. Schlussfolgerung: Es bleibt Winter.

„If Candlemas Day be cloudy and grey, winter soon will pass away.“ (Ist der Lichtmesstag bewölkt und grau, wird der Winter bald dahinscheiden.)

Ist es dagegen an diesem Tag bewölkt und Phil wirft keinen Schatten, dann erschrickt er auch nicht und verlässt sein Winterquartier. Das beweist eindeutig: Der Frühling steht vor der Tür.

… there’s no business like showbusiness

Beim amerikanischen „Murmeltiertag“ handelt es sich allerdings nicht um eine stille Naturbeobachtung, sondern (wie soll es auch anders sein) um eine minutiös geplante  Bühnenshow, die von Tausenden – nicht nur vor Ort – gespannt verfolgt wird.

Phils „Bau“ befindet sich dabei in einem Baumstumpf auf der Bühne und er verlässt ihn selbstverständlich durch eine mit seinem Namen beschriftete Eingangstür … allerdings nicht ganz freiwillig.  Seinem Erscheinen wird sehr pragmatisch nachgeholfen und danach darf er kameratauglich auf einem „roten Teppich“ oben auf dem Baumstumpf seinen Schatten werfen oder auch nicht …

… warum haben wir keinen „Dormouse Day“?

Wir machen viel zu wenig aus unseren tierischen Wettervorhersagen. Warum zelebrieren wir sie nicht angemessen? Kleine Orte mit komischen Namen gibt’s hier schließlich auch und was würde dagegen sprechen, alljährlich die Wettervorhersage des Pechbrunn-Groschlattengrüner Grimbarts zu feiern?

Groschlattengrün findet keiner? Dann machen wir den Ort eben auch durch einen Film bekannt!

Vielleicht könnten wir ja auch am 27. Juni einen „Dormouse Day“ einführen. Schade nur, dass die so klein sind

P.S.: Phil sah heute leider die Sonne und war beim Fototermin immer noch entsprechend schockiert

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Eine Antwort zu “„Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoch‘ …

  1. Pingback: Goethe, Beethoven und das Murmeltier | … Auslassungspunkte

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