Youtube-Sinfonieorchester goes Carnegie Hall

Youtube-Sinfonieorchester

Youtube – Kanal von Sinfonieorchester

Wie komme ich in die Carnegie Hall?

Auf diese Frage gab es bisher zwei Antworten:
a) Du willst in den Zuschauerraum.
Lösung: Kauf dir ein Konzertticket an der Abendkasse, sofern du zeitlich und finanziell in der Lage bist, nach New York zu reisen.
b) Du willst dort auftreten, sprich: du willst auf den Olymp, auf dem sich die Götter der Klassik und Pop-Musik versammeln.
Lösung: Bereite dich für die Gipfelbesteigung entsprechend vor. Fang mit dem Üben an kleinen Hügeln an, arbeite dich über diverse Mittelgebirge vor und mach dich dann an die Olymp-Besteigung. Aber vergiss nicht: ohne Bergführer (Manager) und den richtigen Ausstatter (Plattenfirma) wirst du vielleicht trotz härtesten Trainings diesen Gipfel nicht erreichen.

… „Mensch, ärgere dich nicht!“

So sind sie, die Spielregeln in der Carnegie Hall. Auf die Bühne gelangt nur, wer künstlerisch schon lange und ständig in der Oberliga spielt und weltweit Anerkennung beim Publikum und der musikkritisierenden Zunft genießt (und sich freiwillig und mit Lächeln auf den Lippen durch die Mühlen des Musikgeschäfts drehen lässt). Diese Regeln sind eigentlich ganz einfach und ein Garant für höchsten Kunstgenuss.

Doch diese Regeln, nach denen jahrzehntelang gespielt wurde, funktionieren nicht mehr reibungslos. Es gibt zwar trotz harter Bedingungen noch genügend Mitspieler für den Bühnenpart, aber die „gegnerische Mannschaft“, sprich das Publikum, tritt schon länger nicht mehr in der gewohnten Stärke an. Die Altherrenmannschaft läuft zwar noch regelmäßig auf, aber es fehlt an Nachwuchsspielern und es deutet alles darauf hin, dass die Publikumsränge niemals nahtlos neu besetzt werden können, denn die Jugendmannschaft trainiert und spielt woanders. Dieses Phänomen, das in den Mittelgebirgen schon längst bekannt ist, macht auch vor dem Olymp nicht Halt.

… wer spielt mit mir?

Die Olymp-Verwaltung hat sich zur Beratung mit einigen lorbeerbekränzten Häuptern (u. a. Dirigent Michael Tilson Thomas, Komponist Tan Dun, Pianist Lang Lang und den Berliner Philharmonikern) zurückgezogen und eine clevere Lösung für dieses Problem gefunden: sie hat für einen Tag die Spielregeln geändert!

Damit die Jugendmannschaft das auch mitbekommt, wurden große, bunte Banner auf ihrem Trainingsplatz aufgehängt. Häh? Trainingsplatz der Jugendmannschaft? Aber das ist doch … ja, genau!

… Olympische Spiele einmal anders

Youtube richtete den Kanal Youtube Sinfonieorchester ein und rief „die Jugend der Welt“ auf, sich für das Youtube-Sinfonieorchester zu bewerben. Das Casting (in der realen Orchesterwelt „Probespiel“ genannt) fand virtuell statt. Die Noten standen zum Download bereit und die Kandidaten konnten die Videos mit ihrem Vortrag bis zum 28. Januar bei Youtube einstellen.

Unter allen Bewerbern wird zurzeit von renommierten Orchestermusikern eine Vorauswahl getroffen, die anschließend der Youtube-Community vom 14.-22. Februar zur Abstimmung präsentiert wird. Die Gewinner fliegen dann zu Proben nach New York (Anreise + Unterkunft inkl.), wo das Youtube-Sinfonieorchester am 15. März 2009 in der Carnegie Hall eine Komposition von Tan Dun zur Aufführung bringen wird.

Und diese Orchestermusiker kennen dann eine dritte Antwort auf die Frage: wie komme ich in die Carnegie Hall?

… Yes, you can!

Ich bin von dieser Aktion sehr angetan, weil sie kreativ ist, verbindet und vielfältige Chancen bietet: Kreativ werden die modernen Kommunikationspfade genutzt, um größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und den Zugang zu einem vielschichtigen, neuen Publikum zu erschließen.

An der Aktion kann jeder, der was kann [!], teilnehmen und es wird gemeinsam auf ein Projekt hingearbeitet. Auf die Bühne der Carnegie Hall gelangen auf diese Weise talentierte Musiker, ohne zuvor den „Weg durch die Instanzen“ des Musik-Business antreten zu müssen. Das gemeinsame Musizieren und das Bühnenerlebnis an diesem Ort wird sie prägen und für ihren weiteren Weg motivieren.

Und die Zuschauerplätze werden sich füllen – wahrscheinlich auch langfristig.

Ich kann nichts Negatives entdecken und hoffe, dass diese Aktion sehr viele Fortsetzungen, auch hierzulande, finden wird.

Weitere Infos und Meinungen finden sich u. a.  in den Artikeln der ZEIT, der taz und bei den Berliner Philharmonikern.

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