Die Zukunft der Zeitungen …

Wie sieht die Zukunft der Zeitungen aus? Wird es sie überhaupt noch geben? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nein, was tritt an ihre Stelle?

Der amerikanische Autor Clay Shirky und der spanische Journalist und Zeitungsgestalter Javier Errea haben hierzu einen Blick in ihre Kristallkugeln geworfen und ganz unterschiedliche Dinge gesehen.

„Das Undenkbare denken“

Shirky sieht uns in seinem Essay „Newspapers and Thinking the Unthinkable“ ins Jahr 1500 zurückversetzt, einer Zeit des Übergangs und Umbruchs, in der Altes verschwand, bevor erkennbar war, was an seine Stelle treten würde. Dank der Erfindung des Buchdrucks konnten neue Erkenntnisse und Ansichten verbreitet werden, aber wem sollte man bei widersprüchlichen Thesen Glauben schenken? Aristoteles oder Galenos? Der katholischen Kirche oder Luther? Was würde sich letztendlich durchsetzen, wohin würde die Reise gehen? Das war weder zur damaligen Zeit noch heute erkennbar und voraussehbar.

Shirky meint, mit Blick auf die geschichtliche Entwicklung, dass es nicht sinnvoll ist, an alten Strukturen der Informationsvermittlung, wie an gedruckten Nachrichten und Anzeigen auf Papier, festzuhalten, während sich bereits seit vielen Jahren völlig neue Strukturen entwickelt haben:

Society doesn’t need newspapers. What we need is journalism. For a century, the imperatives to strengthen journalism and to strengthen newspapers have been so tightly wound as to be indistinguishable. That’s been a fine accident to have, but when that accident stops, as it is stopping before our eyes, we’re going to need lots of other ways to strengthen journalism instead.

„Eine Zeitung braucht eine Seele“

Obwohl er der konträren Meinung ist, dass es Zeitungen in zwanzig Jahren sehr wohl noch geben wird und sie nicht sehr viel anders aussehen werden als heute, pflichtet Javier Errea im NZZ-Interview „Sie haben zuviel Angst“ dem Ruf nach der Stärkung des Journalismus bei. Nach dem Geheimrezept für die erfolgreiche Zukunft einer Zeitung befragt, meint er:

Die Antwort ist komplex wie auch einfach. Das Rezept ist die Qualität. Mein Eindruck ist der, dass eher kurzfristige Entscheidungen, meist aus Spargründen, die Zeitungsmacher bewegen. Wichtiger wäre die langfristige Sicherung des wichtigsten Guts: der Mitarbeiter.

Zu Qualitätsprinzipien zu stehen, langfristige Perspektiven zu entwickeln und die Kundenbindung zu pflegen, sei aus der Mode gekommen, stattdessen werde in immer kürzeren Abständen „relauncht“ und auf Multimedialität gesetzt. Letzteres hält Errea für besonders kontraproduktiv: „Der multimediale Journalist erscheint mir lächerlich. Ein Print-Journalist ist Print-Journalist“.

Umfrage zur Qualität der Tageszeitungen

Zur sprachlichen Qualität unserer Tageszeitungen hat die Protextbewegung, eine Initiative von Profis aus Werbung und PR, Korrektorat und Lektorat, Journalismus und Redaktion, Übersetzung und Buchsektor gerade eine Umfrage gestartet, mit der sie herausfinden möchte, „wie Zeitungsleser und -leserinnen die sprachliche Qualität der Tageszeitungen in Deutschland wahrnehmen“: Umfrage zur Qualität der Tageszeitungen in Deutschland.

Wirkt sich die rasant abnehmende sprachliche Qualität auch auf die Glaubwürdigkeit des Inhalts aus? Wenn es in Überschriften und Text vor Fehlern nur so wimmelt, zweifle ich dann auch an der Richtigkeit der Aussagen oder stören Fehler gar nicht weiter? Warum sparen sich die allermeisten Tageszeitungen die Überprüfung der sprachlichen Korrektheit, während (ausgerechnet) die Bildzeitung Wert auf das Korrektorat ihrer Texte legt?

Ich bin auf das Ergebnis schon sehr gespannt!

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Eine Antwort zu “Die Zukunft der Zeitungen …

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