Kodachrome … going home …

„Das Grün des Sommers“ … Kerstin Stremmel hat mit dieser NZZ-Schlagzeile bei mir gleich ein Glöckchen geläutet, denn als Fan hatte ich natürlich sofort die Zeile „They give us the greens of summers“ aus dem Refrain von Paul Simons Song „Kodachrome“ im Ohr.

Mit diesem fröhlich unbeschwerten Opener seines zweiten Solo-Albums „There Goes Rhymin‘ Simon“ aus dem Jahr 1974 setzte sich Paul Simon gleich mehrfach in die Nesseln. Sowohl bei der Firma Kodak, als auch bei den Radiostationen in Amerika und England.

Die Radiosender seiner Heimat stießen sich an der ersten Zeile des Songs: „When I think back on all the crap I learned in high school“.
Die Firma Kodak hatte zwar gegen den Text nichts einzuwenden, forderte Simon aber auf, das Wort Kodachrome auf der Schallplattenhülle bei jeder Nennung mit einem Trademark-Kennzeichen zu versehen, was er widerwillig tat. Und in good old Europe fiel der Song bei der BBC aufgrund der Nennung des Markennamens Kodachrome den strikten Werberichtlinien zum Opfer und wurde gar nicht erst gespielt. Ein Schicksal, das er mit der Coca-Cola-trinkenden „Lola“ der Kinks teilte, der daraufhin schnell eine Cherry Cola in die Hand gedrückt wurde.

Dabei war der Titel von Simons Ohrwurm überhaupt nicht als Foto-Schleichwerbesong intendiert, wie der Autor in einem sehr unterhaltsamen Interview anlässlich einer Buchvorstellung bei Barnes & Noble verraten hat. Auf die Frage, wie ein Song bei ihm entstehe, beschreibt er sehr anschaulich, dass der Kompositionsprozess oft von einer prägnanten Zeile oder Wendung oder auch nur von einem Wort ausgehe.

Bei Kodachrome seien das ursprünglich die Worte „going home“ gewesen. Er hätte sich aber nicht vorstellen können, dass ein Lied über das Nachhausegehen interessant sein könnte und so sei er dann wegen des gleichen Klanges auf Kodachrome ausgewichen … und herausgekommen sei ein Lied, bei dem im Grunde genommen auch nur die erste Zeile interessant sei, die ihm von irgendwoher in den Sinn gekommen sei.

Und nun, nachdem „Mama“ 35 Jahre lang Pauls Bitte erhört und uns Kodachrome nicht weggenommen hat, schreitet Kodak selbst zur Tat und verkündet die bittere Wahrheit: Die Produktion von Kodachrome wird eingestellt.

Nüchtern betrachtet ein völlig normales Marktgeschehen. Doch im Hause Kodak scheinen neben Pragmatikern auch noch Nostalgiker beschäftigt zu sein, denn zum Abschied wurde dem Fotojournalisten Steve McCurry die letzte Filmrolle übergeben, die dieser nun mit ganz besonderen Bildern belichten will.

Wir können gespannt sein, ob ihm wieder eine ähnliche Foto-Ikone gelingen wird wie vor 24 Jahren, als er ein unbekanntes afghanisches Flüchtlingsmädchen fotografierte, deren dessen* Bild weltweit zum Symbol wurde, nachdem es auf einem Titel von National Geographic erschienen war.

Wie Sharbat Gula gefunden wurde ...

Wie Sharbat Gula gefunden wurde ...

17 Jahre später hatte sich McCurry mit einem Team von National Geographic auf die Suche nach der Unbekannten mit dem eindringlichen Blick gemacht, sie tatsächlich gefunden und erneut portraitiert.

Hier ist noch mehr über dieses Bild und seine Geschichte zu erfahren und hier gibt es noch Bildergalerie großer Kodachrome-Momente.

Und dann gibt es noch diese Galerie, stilecht musikalisch untermalt …

Na dann: Bye bye, Kodachrome!

~~~~~~~~~~

* Scheint heute in der Luft zu liegen, dass die Lektorinnen in uns nicht hinterherkommen … ;-)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s