Mein Fazit: Pons Sprachenportal muss nachsitzen …

So, dann mal Butter bei de Fische: Jetzt hab ich mich mal umgeschaut bei pons.eu. Schließlich hat der Verlag mich mit Bedacht und Fleißarbeit als Testerin ausgewählt und es interessiert mich tatsächlich, ob mir das Portal den Arbeitsalltag erleichtern kann.

Ups! Fehlstart gleich bei der ersten Eingabe

Popocatepetl kennt Pons nicht und kann mir bezüglich der Schreibweise im Gegensatz zum guten alten Duden nicht weiterhelfen:

duden_screenshot

Zweiter Versuch

Okay, dann gebe ich mal ein neudeutsches Wort ein, denn Pons will ja vor allem ganz besonders aktuell sein: Webbrowser.

Dieses Wort kennt Pons natürlich und wirft mir auch … ja, Moment … irgendwo muss es doch sein … vielleicht das auf dem grünen Balken? … Ja, genau, da steht, wie das Wort geschrieben wird. Da wäre das Wichtigste ja fast in der ganzen Werbung untergegangen:

pons_dr

Falls es nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Das knatschgrün umrandete ist das Suchergebnis. Rot umrandet sind statische Werbeanzeigen, gelb umkringelt sind animierte Werbeanzeigen, auf denen zum Beispiel Flugzeuge mit blinkenden Umrandungen oder ein wackelndes Türschild mein Auge erfreuen …

Das ist mir persönlich dann doch definitiv zu lästig, dass ich die Suchergebnisse selbst erst in einem Meer von animierten und nicht animierten Werbebannern finden muss.

Offensichtlich geht’s auch nicht nur mir so.

Do you speak English?

Aber gut, ich will mal nicht so sein. Dann lasse ich auch noch was übersetzen. Was nehme ich denn da? Ach klar, warum nicht den Anfang meines liebevoll korrigierten Blogbeitrags über den Big Logo Spender:

Auf einer meiner Schulkladden hat es auch geklebt: das I♥NY-Logo.

Und es ging mir genau wie im Artikel “Ein Mann, ein Herz” beschrieben:

Es gibt Dinge, die sind einfach da. Tempotaschentuch, Tesafilm, Espressokanne – sie sind so selbstverständlich, dass man gar nicht auf die Idee kommt, dahinter könnte ein Erfinder stecken. So wie mit dem Logo, das mehr als jedes andere kopiert worden ist. Dabei ist der Mann, der es sich ausgedacht hat, alles andere als ein Unbekannter.

Jetzt weiß ich zwar mehr über Milton Glaser, den großzügigen Logo-Spender, der heute 80 wird, und über die Kampagne, die das Image New Yorks aufpolieren half. Aber zelten – wie von der offiziellen Tourismus Website vorgeschlagen – möchte ich dort trotzdem lieber nicht …

Also dann, lingenio Übersetzungssystem: Auf die Plätze, fertig, los!

pons_uebersetzen

Sieht schon übersichtlicher aus, die Seite. Das Ergebnis habe ich jedenfalls schneller entdeckt:

It also has stuck on one of my school rough books: the I♥NY logo.

And I felt exact like in the article “A man, a heart”described:

There are things, these simply are there.– described:

There are things, these are one they are an inventor could tell so of course that one doesn’t come onto the idea at all behind this. Like with the logo which has been copied more than every other. The man who has thought it up is anything but an unknown person.

I know more over Milton Glaser, the generous logo donator who becomes today 80, and about the campaign now although which helped to polish the image of New York up.– described like of the official one tourism web site suggested –I nevertheless would prefer to like not there …

Naja, Lachen ist gut für die Gesundheit! Und gelacht habe ich, das gebe ich offen zu. Wenn ich ganz, ganz böse wäre, würde ich dazu sagen: Schwach angefangen und stark nachgelassen …

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte …

Ach, Moment, da ist ja noch das Bildwörterbuch. Dann schau ich doch da auch noch mal rein. Das sah ja in einem kurzen Video zur pons-Plattform auf youtube auch ganz interessant aus. Da wird gezeigt, dass man sich zu den Suchbegriffen auch gleich ein Bild anzeigen lassen kann und dass auch noch weitere Detailbegriffe zum gesuchten Thema aufgeführt sind.

Nach einem weiteren Fehlstart („school book“ kennt das Bildwörterbuch nicht. „Schoolbook“ vielleicht? Nein, auch das nicht) schau ich mal, was das Bildwörterbuch selbst im Angebot hat. Was wollte ich denn immer schon mal wissen?

Animal Kingdom. Das hört sich doch gut an. Schau ich doch mal bei „birds“ nach. Hier habe ich noch zur Auswahl:
birds, examples of birds, bird, morphology of a bird, wing, contour feather, anatomy of a bird, image skeleton …
Okay, nehme ich mal „Anatomy of a bird“

pons_bildwoerterbuch

Ah ja … Leider hatte ich gehofft, die weiteren Detailbegriffe zum gesuchten Themenbereich auch in der gesuchten Sprache zu finden. Was es mir nützt, wenn ich unter der Rubrik „Anatomy of a bird“ eine halbierte Taube sehe, deren innere Organe mit ihren deutschen Namen beschriftet sind, hat sich mir leider nicht ganz erschlossen.

Annemie isch kann nit mi, isch will nit mi …

Bleibt noch der Sprachkalender. Aber den will ich mir, ehrlich gesagt, gar nicht mehr angucken. Außerdem werde ich schon seit Langem sehr zuverlässig und werbefrei von Paul Smith beliefert, der mir mit seinem OWAD-Service täglich eine englische Redewendung oder ein englisches Wort erklärt und dessen wohldosierte und äußerst seltene Hinweise auf seine eigenen Seminarveranstaltungen und sonstigen Publikationen mich nicht im Geringsten stören, angesichts der Fülle an sprachlichen Erkenntnissen, die er mir täglich liefert.

Fazit

Erstens:

Das Ponsportal werde ich in dieser Form mit Sicherheit nicht nutzen, denn da komme ich mir vor wie auf unserer Annakirmes. Im Web bleibe ich lieber bei meinen bewährten Anlaufstellen, die zum Teil auch werbefinanziert sind, es aber hinbekommen, die Suchergebnisse deutlich und übersichtlich zu präsentieren und die Werbung halbwegs dezent zu gestalten. Noch lieber sind mir aber nach wie vor die Printnachschlagewerke in meinem Regal, die mir werbefrei Auskunft geben.

Zweitens:

„Nix es ömesöns, ke Bier, ke Flöns!“, lamentiert die Trauergemeinde lauthals, wenn im Kölner Karneval in der Nacht zum Aschermittwoch der Nubbel vor seiner Feuerbestattung zu Grabe getragen wird. Und so weiß ich als Rheinländerin natürlich schon lange, dass es kein Bier, keine Blutwurst und auch sonst nix umsonst gibt … auch nicht im Web.

Drittens:

Pons-Mailing

Fehler: 0
Note: sehr gut

Plattform Pons.eu

Fehler: Keine im eigentlichen Sinne, aber viele Punktabzüge nicht nur für Werbeüberfrachtung.
Note: Bei mir deswegen voerst durchgefallen.

PS: Ob ich für diese Bewertung jetzt trotzdem die Printausgabe der deutschen Rechtschreibung kriege? Aber sie wollten es ja wissen … ;-)

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5 Antworten zu “Mein Fazit: Pons Sprachenportal muss nachsitzen …

  1. Matthias Müller

    Finde ich lustig: Sich über die Werbung bei Pons mokieren und dann poppt hier bei jeder Mausbewegung so ein blödes Fenster auf.

    Ganz große Klasse und natürich überhaupt nicht nervig

  2. Matthias Müller

    Hallo,

    sorry, sollte nicht ohne Anrede und Gruß sein.


    mit freundlichen :-) Grüßen
    Matthias Müller

    • Hallo Matthias,
      das, was da bei jeder Mausbewegung aufpoppt, ist aber keine Werbung, sondern eine Vorschau darauf, wohin dich meine Links führen. Manche möchten das vorher wissen, bevor sie klicken ;-)

  3. Liebe Birgit Schmidt-Hurtienne,

    natürlich bekommen Sie trotz Ihres Artikels im September eine gedruckte Ausgabe der Pons-Rechtschreibung, oder vielleicht sage ich lieber gerade deswegen?
    Sie haben ja nur das getan, worum wir Sie gebeten haben – die http://www.pons.eu zu testen.
    Wir werden sicher viele Ihrer Anregungen aufnehmen um die Seite zu verbessern, vielleicht können wir Sie ja dann doch noch als User gewinnen.

    Viele Grüße
    Anne Pelzer

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