Die Zeitung: Bestechende »Hardware«, fehlerhafte »Software« …

[via Protextbewegung]

Wird es in 20 Jahren noch Zeitungen geben?

Nun, die unschlagbare »technische Ausstattung«, die uns hier eindrucksvoll präsentiert wird, lässt das »Modell Zeitung« durchaus zukunfts- und konkurrenzfähig erscheinen:

  • ultraflach
  • riesiges Display
  • unendliche Akkulaufzeit
  • Informationen »on demand«verfügbar, auf Wunsch auch per Flatrate (Abo)
  • einfache Archivierung mittels Strip-out-Funktion …

Wenn diese vorteilhafte »Hardware« mit ebenso unschlagbarer »Software« gepaart wird, dürfte im Grunde gar nichts mehr schief gehen.

Die »Software«, die in der aktuellen Debatte gerne auch als »Qualitätsjournalismus« bezeichnet wird, um sich von vermeintlich geringwertigeren digitalen Veröffentlichungen abzuheben, lässt allerdings auf einem Gebiet immer mehr zu wünschen übrig: bei der korrekten und fehlerfreien Verwendung der deutschen Sprache.

Papperlapapp, was soll denn diese Korinthenkackerei?

Ich habe mich gefragt, ob es mich als »Sprachberufene« einfach übermäßig stört, dass sich Flüchtigkeits-, Rechtschreib- und Grammatikfehler in den Printmedien auffallend häufen. Vielleicht zählt ja das Gros der ZeitungsleserInnen den kompetenten und sorgfältigen Umgang mit der Sprache nicht zu den wichtigen Kriterien des Qualitätsjournalismus, der die Zukunft der Zeitungen maßgeblich mitbestimmen wird.

Deshalb war ich auch sehr gespannt auf die Umfrageergebnisse der Zeitungsaktion, die die Protextbewegung im Frühjahr gestartet hatte: Wie wird die sprachliche Qualität der Zeitungen von den LeserInnen wahrgenommen?

Jetzt liegt das Umfrageergebnis vor und es bestätigt, dass die sprachliche Form als Zeichen für Qualität und Glaubwürdigkeit nicht unterschätzt werden sollte:

Auch außerhalb von Text- und Medienberufen gaben über 80 Prozent der Befragten an, dass die Aussage: „Über sprachliche Fehler in der Zeitung ärgere ich mich“ zuträfen oder nur teilweise zuträfen.

Der Ärger über mangelnde sprachliche Qualität wirkt sich nicht zuletzt auf die Glaubwürdigkeit der Zeitungen aus. Der Aussage: „Wenn in einer Zeitung viele sprachliche Fehler auftreten, dann zweifele ich auch an deren Glaubwürdigkeit“ stimmten 47,8 Prozent zu und 42,9 Prozent teilweise zu. Das heißt: Über 90 Prozent der Teilnehmer unserer Umfrage machen die Glaubwürdigkeit der Zeitung zumindest teilweise von der Sprache abhängig!

Und weiter?

Schön. Nun weiß ich also, dass ich nicht alleine bei der Zeitungslektüre vom Wackeldackel-Syndrom befallen werde. Offensichtlich sind andere ebenfalls der Meinung, dass Sorgfalt und Professionalität bei der Themenrecherche sich auch in der anschließenden Niederschrift widerspiegeln sollten, damit der Inhalt nicht wegen der fehlerhaften Form infrage gestellt wird.

Wenn es auch in den Zeitungsredaktionen niemals mehr KorrekturleserInnen geben wird und mir das Engagement für Professionalität im Sprachgebrauch oft wie der Kampf gegen Windmühlenflügel vorkommt: Ich bin doch nach wie vor überzeugt, dass es sich lohnt, den Stein mit steten Tropfen weiter zu höhlen.

Ich glaube, dass es in Zukunft sogar noch wichtiger sein wird, sich in allen Bereichen – auch sprachlich – professionell zu präsentieren. Und es werden sich bestimmt neue Weg finden, wie wir KorinthenkackerInnen mit den QualitätsjournalistInnen ins Geschäft kommen ;-)

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