»Eine schöne Leich«: Weit mehr als ein spannender Regio-Krimi

Gerstern um Mitternacht war ich endlich erlöst. Gegen 10 Uhr abends hatte ich mich mit Lisa Graf-Riemanns Krimi-Erstling »Eine schöne Leich«, den ich am Wochenende zu lesen begonnen hatte, aufs Sofa verzogen. Zwei Stunden später fand ich mich auf dem Hocker direkt vor dem Kaminofen wieder, weil ich das Buch zwischenzeitlich nicht mal aus der Hand legen wollte, um in Ruhe den Ofen nachzufüllen. Mit anderen Worten: Ich fand es sehr spannend.

Und nicht nur das. Ich war auch ein bisschen traurig, dass die Geschichte, die mich von Anfang an in ihren Bann gezogen hatte, nun zu Ende war. Diese ebenso spannende wie traurige, poetische und – trotz düsteren Sujets – an manchen Stellen auch sehr humorvoll geschriebene Erzählung.

Schließlich kannte ich mich mittlerweile ja schon gut aus in Ingolstadt und hatte mich auch schon mit dem Personal angefreundet. Mit Stefan Meißner, dem ermittelnden Kommissar und seinen Kollegen, die im beschaulichen oberbayerischen Städtchen eine ereignisreiche Woche durchleben, in der sie nicht nur einen rätselhaften Mordfall sondern auch noch private Probleme zu bewältigen haben. Und ebenso wie sie hatte ich den Lauf der Ereignisse gespannt verfolgt:

Ab der zweiten Hälfte konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und je größer die Verzweiflung des Kommissars darüber wurde, es scheinbar mit lauter unschuldigen Tatverdächtigen zu tun zu haben, desto ungeduldiger wurde auch ich, zu erfahren, wer die schöne Roxanne, die Tänzerin im Gladiolenfeld, denn nun auf dem Gewissen hat. Den Spannungsbogen bis zum ebenso überraschenden wie – im Nachhinein – naheliegenden Ende zu halten, ist Lisa Graf-Riemann besonders gut gelungen!

Sie verfügt auch nicht nur über umfangreiche Orts- und kriminalistische Detailkenntnisse, sondern kennt vor allem das Leben selbst in all seinen sonnigen und düsteren Facetten. Und so hat sie die raffiniert konstruierte Kriminalhandlung ihres Oberbayern Krimis eingebettet in eine sehr fein beobachtete Milieustudie, die von der ganz eigenen, bildreichen und ausdrucksstarken Sprache der Autorin lebt. Für mich liegt gerade in dieser Vielschichtigkeit ein großer Reiz des Buches, das noch dazu handwerklich sehr gut gemacht ist. Kurz: Ein rundum gelungenes, empfehlenswertes Werk.

Allein über die Gestaltung der Gladiolen und des roten Kleids auf dem Titelbild hat sich mein detailbesessenes Auge nach der Lektüre etwas gewundert. Oder sehen die so aus in Oberbayern? ;-)

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Lisa Graf-Riemann
Eine schöne Leich
Emons Verlag
ISBN 978-3-89705-710-4
9,90 €

Lesungen

Premierenlesung 21. April 2010 in Ingolstadt
Veranstaltungsort: DONAUKURIER, Beginn: 19.30 Uhr

29. April 2010 in Simbach am Inn
Buchhandlung Pfeiler, Innstraße, Beginn: 19:00 Uhr
(Doppellesung mit Thomas Moser)

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Eine Antwort zu “»Eine schöne Leich«: Weit mehr als ein spannender Regio-Krimi

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