Archiv der Kategorie: Kritikpunkt

111 x Hirschgulasch im Berchtesgadener Land ;-)

Bei meiner hochgeschätzten Texttreff-Kollegin Lisa Graf-Riemann ging das Bücherschreiben immer schon »wie ’s Brezelbacken«. Nach beachtlichen Mengen an Lehr- und Sachbüchern – darunter der unterhaltsame Fettnäpfchenführer Spanien – hat sie nach »Eine schöne Leich« (2010) und »Donaugrab« (2011) im April bereits ihren dritten Kriminalroman vorgelegt.

Berchtesgaden im Doppelpack

Und als sei das noch nicht beeindruckend genug, servierte sie zeitgleich zu ihrem schmack- und nahrhaften »Hirschgulasch« auch noch den wunderbaren Führer »111 Orte im Berchtesgadener Land, die man gesehen haben muss«.

Als Rheinländerin vermute ich da natürlich sofort, dass die aus Köln vertriebenen Heinzelmännchen ihre neue Heimat in Berchtesgaden gefunden haben müssen, denn gleich zwei solch anspruchsvolle Titel vorzulegen, ist wohl kaum ohne Hilfe zu schaffen. Und richtig, es gab einen »Heinzelmann«, denn beide Neuerscheinungen hat Lisa Graf-Riemann gemeinsam mit  Ottmar Neuburger verfasst.

Nach der Lektüre ihrer Neuerscheinungen kann ich mir gut vorstellen, wie die beiden auf ihren Touren zu den 111 sehenswertesten Orten im Berchtesgadener Land am Plot für ihren Kriminalroman gefeilt haben. Wie ich aus sicherer Quelle weiß, ist bei einem ihrer Erkundungsgänge sogar Blut geflossen … Davon abgesehen, hat sich die Zusammenarbeit des Autorenteams als wirklicher Glücksfall erwiesen.

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Berliner UCW und Atelierhaus wehren sich gegen Hausverkauf

Quelle: Wikipedia

»Wir brauchen vor allem Öffentlichkeit. Wer die Möglichkeit hat, das Thema weiterzutragen, bitte tut das!«

Dieser Bitte meiner Texttreff-Kollegin Barbara Brecht-Hadraschek bin ich sehr gerne nachgekommen und habe mich im Beitrag
»UCW und Atelierhaus in Berlin müssen bleiben!« im Kulturwirtschaftswege-Blog bereits ausführlich dem Thema drohender Verkauf des Hauses Sigmaringer Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf gewidmet.

»Vom Verkauf der Immobilie sind 52 Unternehmerinnen mit fast 20 Angestellten und 28 Künstler/innen, außerdem einige interkulturelle und frauenpolitische Projekte betroffen. Zum Beispiel arbeitet bei uns der Interkulturelle Hospiz-Verein e. V. Dong HengDong Heng bildet unter anderem in unseren Räumen HospizhelferInnen aus. Außerdem arbeitet bei uns der bundesweit tätige Arbeitskreis Frauengesundheit e. V. (AKF), der Landesfrauenrat Berlin hat hier sein Büro und der BPW Business and Professional Woman e.V.  Seit September 2011 ist hier hier zudem das EQUAL PAY DAY OFFICE angesiedelt und koordiniert bundesweit Projekte. Mit den Angestellten der Unternehmerinnen und der Projekte sind damit insgesamt bis zu 100 Arbeitsplätze von dem Verkauf betroffen.  Von einem Verkauf wäre außerdem die Dietrich Bonhoeffer-Bibliothek betroffen, die sich ebenfalls im Gebäude befindet«,

so Barbara Brecht-Hadraschek im Interview mit expertinnen-web.de.

WARUM INTERESSIERT ES MICH, WENN IN BERLIN EIN HAUS VERKAUFT WIRD?

Unternehmen, Initiativen und Einrichtungen wie die genannten könnten auch in meiner Region bald bedroht sein. Und das möchte ich nicht. Ich möchte, dass UnternehmerInnen und KünstlerInnen in der Hauptstadt und anderswo zu fairen und verlässlichen Mietkonditionen leben und arbeiten können und dass Strukturen und Netzwerke, die  in langen Jahren aufgebaut wurden, weiterbestehen können.

Deshalb interessiert es mich, was mit der Immobilie Sigmaringer Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf passiert. Und deshalb komme ich der Bitte gerne nach, auf das Anliegen des UCW aufmerksam zu machen.

In der Hoffnung, dass am 8.3. in der Bezirksverodnetenversammlung Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf nicht beschlossen wird, eine Immobilie zu verkaufen, die mittlerweile zum Zentrum für das soziokulturelle Leben im Stadtteil geworden ist.

Wer sich via Social Web oder vor Ort ebenfalls in dieser Sache engagieren möchte, findet alle Informationen über die Unternehmerinnen und KünstlerInnen im Blog
»Sigmaringer 1 – Unternehmerinnenzentrum und Atelierhaus«

Sehr unterhaltsam und lehrreich: Fettnäpfchenführer Spanien

Spanien – Land der feurigen Toreros und kastagnettenschwingenden Flamencotänzerinnen, Heimat von Paella und Sangria. Über Spanien braucht man uns doch nix mehr erzählen, das kennen wir wie unsere Westentasche, dort fühlen wir uns wie zu Hause. Und auch die Verständigung klappt bestens: los wochos, los chipsos, los bieros …
Spanien, olé! Nee, nee, Marie, ist dat nit schön? :-)

Lisa Graf-Riemann: Fettnäpfchenführer Spanien | Conbook VerlagWer sich während eines All-inclusive-Urlaubs nur am Strand der Costa Brava rösten oder sich bevorzugt am Balneario Nº 6 unseres 17. Bundeslandes aufhalten möchte, wird mit dem gerade erschienen Fettnäpfchenführer Spanien wenig bis nichts anfangen können. Für alle anderen, die für kurze oder längere Zeit nach Spanien reisen und sich im Vorfeld intensiv mit Land und Leuten vertraut machen möchten, ist der frisch erschienene Führer des Conbook-Verlags ein echter Gewinn.
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Donaugrab: Keine ruhige Minute für Kommissar Meißner aus Ingolstadt

Lisa Graf-Riemann: Donaugrab»Eine schöne Leich« ist es diesmal wahrlich nicht, die meine Texttreff-Kollegin Lisa Graf-Riemann uns in ihrem zweiten Oberbayern Krimi »Donaugrab« präsentiert. Ihrem zweiten Opfer ist es auch nicht vergönnt, idyllisch im Gladiolenfeld sein Ende zu finden, nein: es wird aus dem Auffangbecken des Donaukraftwerks geborgen. Gerade aus dem Urlaub nach Ingolstadt zurückgekehrt, wird Kommissar Meißner durch diesen Fall rasch wieder in den Ermittlungsalltag hineinkatapultiert, der ihn und sein Team diesmal unter anderem ins Ingolstädter Schulmilieu führt.

Die Aufklärung des Falls gestaltet sich nicht nur wegen der vielschichtigen Schulproblematiken (Leistungsdruck, schwierige Situationen im Elternhaus, fehlende Wertschätzung, um nur einige zu nennen) schwierig, sondern vor allem, weil am »Tatort Schule« Schlag auf Schlag weitere Straftaten begangen und besorgniserregende Entdeckungen gemacht werden. Und selbst nach Feierabend kennt die Autorin keine Gnade für ihren Kommissar Meißner: auch sein Privatleben hält den gebeutelten Ermittler emotional sehr auf Trab.

Lisa Graf-Riemann versteht es meisterhaft, die vermeintliche oberbayerische Idylle mit der Realität zu kontrastieren, in der Gewalt in unterschiedlichen Formen auch in Ingolstadt zum (Schul-)Alltag gehört. Gekonnt führt die Autorin Ermittlungsteam und Leserschaft auf falsche Fährten, in brenzlige Situationen und spannende Verfolgungsjagden. Angesichts der teils »großstädtischen« Themen, mit denen sich die Ingolstädter Ermittler/innen plötzlich befassen müssen, wirken sie teilweise auch hilflos und ein wenig überfordert.

Mit »Donaugrab« gelingt es der Autorin erneut, mehr als einen bloßen Regio-Krimi zu schreiben. Graf-Riemanns Kriminalgeschichten erwachsen aus wichtigen gesellschaftlichen Themen, die ihr – genauso wie Land und Leute – spürbar am Herzen liegen. Sie ist eine sehr genaue Beobachterin von Charakteren, Milieus, Stadt und Landschaften und lässt sie durch ihre bilderreiche Sprache lebendig werden. Dabei erzählt sie so detail- und kenntnisreich, spannend, humorvoll und teils anrührend, dass man regelrecht in die Geschichte hineingezogen wird. Ich hätte ihr gerne auch noch länger zugehört. Allein, die Autorin beliebte, just im spannendsten privaten Moment ihres Heldens den Vorhang fallen zu lassen. Was ich ihr nur verzeihe, weil ihr rasantes Schreibtempo bald auf den 3. Meißner-Krimi aus TATLINS DOG hoffen lässt ;-)

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Lisa Graf-Riemann
Donaugrab
Oberbayern Krimi
Emons Verlag, Köln 2011
ISBN 978-3-89705-820-0
9,90 €

Premierenlesung:
12.04.2011, 19 Uhr: Bücherstube Neuburg an der Donau, Eisengasse 124

Weltwassertag 2011

Auf der aktuellen Tagesordnung steht zwar gerade das Thema Strom aus erneuerbaren Engergien vs. Atomenergie ganz oben, allerdings ist das Thema Wasserversorgung nicht minder brisant:

»Trinkwasser ist ein kostbares Gut. Doch gerade in Europa verkommt es derzeit zur Ware. Immer mehr Städte und Gemeinden privatisieren ihre Wasserversorgung. Die Folgen sind ein nur kurzfristiger Geldsegen für die Kommunen und eine langfristige Verteuerung des Trinkwassers für die Verbraucher.« [ARTE]

Anlässlich des diesjährigen Weltwassertages widmet der Fernsehsender ARTE unter der Überschrift »Geldquelle Wasser« dem Thema Kommerzialisierung des Wassers heute einen Themenabend, der mit der Dokumentation »Water makes Money« beginnt:

Auf der Website zum Film heißt es übrigens:

Nach der bisher überaus erfolgreichen Verbreitung des Films „Water Makes Money” in Form von über 200 (Kino)-Vorführungen und mehr als 1000 DVDs, hat der im Film kritisierte französische Konzern VEOLIA in Paris gegen den Film Klage wegen „Verleumdung” eingereicht. Noch ist nicht klar, was konkret man uns vorwirft. Der Konzern hat dennoch bereits erreicht, dass die französische Staatsanwaltschaft dem Antrag Veolias stattgegeben und einen Untersuchungsrichter bestellt hat. Dieser lässt jetzt mit Hilfe eines auch auf Deutschland ausgeweiteten Rechtshilfeersuchens polizeilich ermitteln.

Die Forderung der amerikanische Aktivistin und Moderatorin Annie Leonard nach sauberem und sicherem Wasser für alle – formuliert in ihrem sehr sehenswerten Film »The Story of Bottled Water« (engl.) – erhält im Kontext der Kommerzialisierung der öffentlichen Wasserversorgung ebenfalls eine neue Gewichtung.

»Eine schöne Leich«: Weit mehr als ein spannender Regio-Krimi

Gerstern um Mitternacht war ich endlich erlöst. Gegen 10 Uhr abends hatte ich mich mit Lisa Graf-Riemanns Krimi-Erstling »Eine schöne Leich«, den ich am Wochenende zu lesen begonnen hatte, aufs Sofa verzogen. Zwei Stunden später fand ich mich auf dem Hocker direkt vor dem Kaminofen wieder, weil ich das Buch zwischenzeitlich nicht mal aus der Hand legen wollte, um in Ruhe den Ofen nachzufüllen. Mit anderen Worten: Ich fand es sehr spannend.

Und nicht nur das. Ich war auch ein bisschen traurig, dass die Geschichte, die mich von Anfang an in ihren Bann gezogen hatte, nun zu Ende war. Diese ebenso spannende wie traurige, poetische und – trotz düsteren Sujets – an manchen Stellen auch sehr humorvoll geschriebene Erzählung.

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WikiTrust: Kann man Vertrauenswürdigkeit errechnen lassen?

Durch Jörg Schiebs Blogbeitrag »Die Qualität und Glaubwürdigkeit von Wikipedia-Artikeln prüfen«, bin ich auf WikiTrust aufmerksam geworden. Mit Hilfe dieses Programms sollen Benutzer des Internetlexikons Wikipedia zukünftig anhand farblicher Markierungen erkennen können, wie glaubwürdig ein Artikel oder Passagen desselben eingeschätzt und für wie vertrauenswürdig die jeweiligen Verfasser gehalten werden.

Schon im vergangenen August stellte die »Computerwoche« die von Wikipedia selbst gestartete Offensive vor und beschrieb das zugrundeliegende System der »erkennungsdienstlichen Vertrauensmaßnahmen« folgendermaßen:

Die neuen Farbkennzeichnungen funktionieren im Grunde nach einem simplen Prinzip. Je länger ein Artikel unverändert stehen bleibt, desto vertrauenswürdiger wird er von dem automatisierten Programm eingestuft. Texte von “fragwürdigen” Urhebern oder Quellen beziehungsweise neu eingestellte Artikel sollen laut “WIRED” [dem amerikanischen Technologie-Magazin, das hier über WikiTrust berichtete] mit einem knall-orangen Hintergrund unterlegt werden. Texte von “vertrauenswürdigen” Autoren werden heller gefärbt. Je mehr Personen einen neuen Beitrag ansehen und bearbeiten, desto mehr Vertrauen kann dieser hinzugewinnen, bis er schließlich von orange zu komplett weiß wechselt.

So weit so … gut?

Allen Unkenrufen aus Verlagswelt und Wissenschaft zum Trotz hat sich die Online-Enzyklopädie Wikipedia in den vergangenen Jahren als Anlaufstelle Nummer Eins bei der Informationsbeschaffung fest etabliert und bleibt leider oftmals auch die einzige Quelle. Obwohl die Beiträge von jedermann und jederfrau verfasst werden und die enthaltenen Informationen fehlerhaft oder komplett falsch sein können, wird der »Weisheit der Vielen« grenzenloses Vertrauen entgegengebracht. Nur ab und zu gerät es ins Wanken, z. B. durch Eulenspiegeleien wie dem Hinzufügen eines »Wilhelm« zum Vornamenbataillon eines gräflichen Ministers.

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Mein Fazit: Pons Sprachenportal muss nachsitzen …

So, dann mal Butter bei de Fische: Jetzt hab ich mich mal umgeschaut bei pons.eu. Schließlich hat der Verlag mich mit Bedacht und Fleißarbeit als Testerin ausgewählt und es interessiert mich tatsächlich, ob mir das Portal den Arbeitsalltag erleichtern kann.

Ups! Fehlstart gleich bei der ersten Eingabe

Popocatepetl kennt Pons nicht und kann mir bezüglich der Schreibweise im Gegensatz zum guten alten Duden nicht weiterhelfen:

duden_screenshot

Zweiter Versuch

Okay, dann gebe ich mal ein neudeutsches Wort ein, denn Pons will ja vor allem ganz besonders aktuell sein: Webbrowser.

Dieses Wort kennt Pons natürlich und wirft mir auch … ja, Moment … irgendwo muss es doch sein … vielleicht das auf dem grünen Balken? … Ja, genau, da steht, wie das Wort geschrieben wird. Da wäre das Wichtigste ja fast in der ganzen Werbung untergegangen:

pons_dr

Falls es nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Das knatschgrün umrandete ist das Suchergebnis. Rot umrandet sind statische Werbeanzeigen, gelb umkringelt sind animierte Werbeanzeigen, auf denen zum Beispiel Flugzeuge mit blinkenden Umrandungen oder ein wackelndes Türschild mein Auge erfreuen …

Das ist mir persönlich dann doch definitiv zu lästig, dass ich die Suchergebnisse selbst erst in einem Meer von animierten und nicht animierten Werbebannern finden muss.

Offensichtlich geht’s auch nicht nur mir so.

Do you speak English?

Aber gut, ich will mal nicht so sein. Dann lasse ich auch noch was übersetzen. Was nehme ich denn da? Ach klar, warum nicht den Anfang meines liebevoll korrigierten Blogbeitrags über den Big Logo Spender: weiterlesen …