Schlagwort-Archive: Kölner Philharmonie

timecaps.net (2): Bildagentur und »fotografisches Gedächtnis«

Auf die MusikTriennale 2010 habe ich mich schon gefreut, seit ich im Februar das wunderbare Programmheft in die Finger bekam. Ich war ja nicht nur vom Inhalt, sondern vor allem von der Gestaltung und den vielen herrlichen Fotos von timecaps.net, der Bildagentur für gefundene und historische Alltagsfotografie, so begeistert, dass ich gleich einen Blogbeitrag darüber geschrieben habe. Ebenso gespannt war ich natürlich auch auf das Eröffnungskonzert am 24. April, das mir, wie sich herausstellen sollte, ein Wechselbad der Gefühle bescherte.

Flyer timecaps.netZuvor schlenderte ich aber am Eröffnungsabend durch das Foyer der Kölner Philharmonie und entdeckte – nicht gerade prominent positioniert – ein paar weiße Stellwände an deren Front ich das timecaps.net-Logo entdeckte. Kaum hatte ich einen neugierigen Blick auf die ersten der dort ausgestellten Bilder geworfen, drückte mir auch schon jemand mit strahlendem Lächeln einen Flyer (s. o.) in die Hand. Auf meine Frage, ob er etwas mit der Agentur zu tun hätte, stellte er sich als einer der Inhaber, Christian Schneeberger, vor. Woraufhin ich ihm verriet, dass ich ja schon über timecaps.net gebloggt hätte.

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WDR-Sinfonieorchester: 7. Mahler mit der Maus …

Freitag, 26. Februar 2010: In der Kölner Philharmonie versammelt sich am Abend das Publikum des WDR-Sinfonieorchesters, das mit seinem dritten Abonnementkonzert unter dem Motto»Romantik im Fokus« seinen Konzertzyklus zu Ehren des 150. Geburtstags von Gustav Mahler fortsetzt.

Nach der Pause findet sich das Publikum wieder ein, um dem Hauptwerk des Abends zu lauschen, der 7. Sinfonie des spätromantischen Komponisten. Von WDR-Redakteurin Eva Küllmer hervorragend in das Konzert eingeführt, verfolgt das Publikum die zuvor kenntnis- und anekdotenreich erläuterte Vertonung von Mahlers ausgeprägter Naturliebe. In seiner 7. Sinfonie hat er sich nahezu anderthalb Stunden Zeit genommen, um seiner Naturverbundenheit auf die ihm eigene Weise Ausdruck zu verleihen: durch volksliedhafte Melodiegestaltung, mit romantischem Hörner- und Trompetenklang und mehrfachem Einsatz von Kuhglockengeläut.

Der vorletzte Satz, ein »Nachtmusik II« überschriebenes Andante amoroso, hat gerade begonnen: Rund 120 festlich gekleidete Musikerinnen und Musiker zaubern unter ihrer amerikanischen Gastdirigentin Marin Alsop eine romantische Serenadenstimmung, die das Publikum ins Träumen versetzt, als plötzlich leichte Wellenbewegungen zunächst durch die Orchesterreihen gehen und schließlich auch das Publikum erreichen.

»Hier kommt die Maus!«

»Hier kommt die Maus!«

Ein kleines Mäuschen, entschlossen zu einem Abendspaziergang übers Podium, läuft zwischen den Beinen der Musiker und unter den Röcken der zum Teil in langen Abendkleidern und Stilettos gewandeten Musikerinnen umher, bis es die Aufmerksamkeit des ganzen Saales auf sich gezogen hat. Marin Alsop scheint um jeden Zentimeter des Dirigentenpodestes froh zu sein, lässt sich aber vom seelenruhig umherwandernden kleinen Nager ebenso wenig bei der Fortsetzung des innigen Spiels beirren, wie die Musikerinnen und Musiker, an deren erhobenen Beinen man jeweils erkennen kann, wo sich der Gast mit Fell gerade befindet.

Sollte es an ihm liegen, dass der letzte Satz besonders rasch gespielt wird und der Schluss ausgesprochen fulminant gerät? Marin Alsop verlässt ihr Podest jedenfalls erst, als sie sich (scherzhaft) nach allen Seiten vergewissert hat, dabei niemandem zu nahe zu treten. Die Piccoloflötistin lässt es sich nicht nehmen, kurz bevor das Orchester abtritt noch schnell die Anfangstöne der »Sendung mit der Maus« zu spielen und hat damit die Lacher auf ihrer Seite.

Gustav Mahler wäre dieses kleine Naturschauspiel während seiner 7. Sinfonie sicher eine wahre Freude gewesen. Ich für meinen Teil, war am gestrigen Abend froh um meinen Beobachtungsposten auf der Empore oberhalb des Orchesters und hätte im Abendkleid mit Geige unterm Kinn auf der Bühne sitzend für nichts garantieren können ;-)